Förderung von Kleinkläranlagen: Ein umfassender Leitfaden

Die Förderung von Kleinkläranlagen wird durch die Thüringer Aufbaubank verwaltet und zielt darauf ab, die Abwasserbeseitigung in Thüringen durch Zuschüsse und zinsgünstige Darlehen für private Antragsteller zu unterstützen 1. Diese Fördermittel stehen für den Ersatz und die Aufrüstung von Kleinkläranlagen zur Verfügung 1. Sie dienen sowohl der Infrastruktur, der Landwirtschaft und ländlichen Entwicklung als auch dem Umwelt- und Naturschutz 1. Die Bedeutung dieser Förderung wird durch die gesetzlichen Anforderungen unterstrichen, die eine vollbiologische Behandlungsstufe für Kleinkläranlagen vorschreiben, um den Anforderungen der deutschen Abwasserverordnung zu entsprechen und einen guten Zustand der Gewässer innerhalb der Europäischen Union zu gewährleisten 2.

Ziel dieses Artikels ist es, einen umfassenden Leitfaden zu bieten, der Ihnen wertvolle Ratschläge gibt, wie Sie als deutscher Antragsteller die vorhandenen Subventionen und Zuschüsse für Kleinkläranlagen optimal nutzen können. Dabei wird der Antragsprozess für Fördermittel detailliert beschrieben, einschließlich der Prüfung der Förderfähigkeit und der Vermeidung häufiger Fehler 12. Dieses Wissen soll deutschen Bürgern helfen, die finanziellen Unterstützungen effektiv in Anspruch zu nehmen und so einen Beitrag zum Umwelt- und Gewässerschutz zu leisten.

Was sind Kleinkläranlagen?

Kleinkläranlagen sind spezialisierte Anlagen zur Behandlung von häuslichem und ähnlichem Abwasser. Sie kommen zum Einsatz, wenn eine Anbindung an ein großes kommunales Abwassersystem technisch, rechtlich oder finanziell nicht machbar ist. Diese Anlagen sind besonders nützlich für Einzelhäuser, kleine Siedlungen, Restaurants oder Berghütten 4.

Aufbau und Funktionsweise

  1. Mechanische Vorbehandlung: Kleinkläranlagen beginnen in der Regel mit einer mechanischen Vorbehandlungsstufe, in der Feststoffe wie Fette und andere Schwebeteilchen vom Abwasser getrennt werden. Diese Stufe kann aus einem Sedimentationsbecken bestehen, wie z.B. einem Drei-Kammer-Sedimentationsbecken 45.
  2. Biologische Behandlung: Nach der mechanischen Vorbehandlung folgt die biologische Hauptbehandlung. Hier werden verschiedene Methoden angewendet, darunter das Belebtschlammverfahren, Festbettverfahren, nicht-technische Systeme und Membranbioreaktoren (MBR). In einigen Anlagen kann auf die mechanische Vorbehandlung verzichtet werden, insbesondere wenn das Belebtschlammverfahren verwendet wird 4.

Betrieb und Wartung

  • Regelmäßige Inspektionen und Wartungen sind entscheidend für die ordnungsgemäße Funktion und Zertifizierung von Kleinkläranlagen. Dazu gehört auch eine Dichtheitsprüfung nach der Installation oder Aufrüstung, deren Ergebnisse während der Inspektion und Zertifizierung vorgelegt werden müssen 3.
  • Kleinkläranlagen werden oft mit Fernwartungssoftware überwacht, was eine effiziente Kontrolle und schnelle Reaktion auf mögliche Probleme ermöglicht 4.

Entwässerung und Umweltauswirkungen

  • Das gereinigte Abwasser aus einer Kleinkläranlage kann entweder in einen offenen Wasserlauf eingeleitet oder in den Boden infiltriert werden, sofern ein Mindestabstand zum Grundwasser eingehalten wird 4.
  • Herausforderungen bei der Abwasserentsorgung können die Implementierung von Kleinkläranlagen erschweren, insbesondere wenn die Leistungsanforderungen im Vergleich zu größeren Anlagen niedriger sind 4.

Rechtliche Aspekte

  • In Deutschland variiert die Nutzung von Kleinkläranlagen je nach Bundesland. Sie werden allgemein als temporäre Lösung betrachtet und kommen nur in Ausnahmefällen für die dezentrale Abwasserbehandlung in Betracht 5.
  • Für die Einleitung des gereinigten Abwassers in Oberflächengewässer oder das Grundwasser ist gemäß §§ 8, 9 und 57 WHG eine wasserrechtliche Erlaubnis erforderlich 6.

Designkapazität und Normen

  • Kleinkläranlagen sind für die Behandlung von Abwassermengen bis zu 8 m³/Tag ausgelegt, was der täglichen Abwasserproduktion von etwa 50 Einwohnern entspricht. Sie müssen sowohl eine mechanische Vorbehandlungsstufe als auch eine biologische Behandlungsstufe umfassen und den europäischen Normen für Kleinkläranlagen (DIN EN 12566), der geänderten DIN 4261 und der Abwasserverordnung der Bundesregierung entsprechen 6.

Wirtschaftliche Überlegungen

  • Die Betriebskosten für Kleinkläranlagen umfassen Energiekosten, Wartung, obligatorische Qualitätskontrollen und Schlammentsorgung. Diese Faktoren sollten bei der Planung und dem Betrieb der Anlagen sorgfältig berücksichtigt werden 4.

Förderfähigkeit prüfen

Voraussetzungen für die Förderung

Um sicherzustellen, dass Ihr Projekt förderfähig ist, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Hier sind die wesentlichen Voraussetzungen, die berücksichtigt werden sollten:

  1. Grundvoraussetzungen der Anlage: Die Förderung ist verfügbar für Anlagen zur Behandlung häuslicher Abwässer, die für einen täglichen Abwasserfluss von nicht mehr als 8 Kubikmetern und nicht mehr als 50 Einwohnergleichwerten ausgelegt sind 1.
  2. Eigentumsnachweis und Genehmigungen: Förderberechtigt sind Grundstückseigentümer oder Inhaber von Erbbaurechten, die nicht an ein öffentliches Kanalnetz angeschlossen sind. Eine Genehmigung der lokalen Wasserbehörde ist erforderlich, und das Projekt darf nicht vor der Antragstellung begonnen haben 10.
  3. Einreichung des Antrags: Der Antrag muss vor Beginn der Maßnahme bei der zuständigen Abwasserentsorgungsbehörde eingereicht werden. Es ist wichtig, dass alle geforderten Formate und Inhalte, wie eine detaillierte Projektbeschreibung und ein detaillierter Finanzplan, eingehalten werden 9.

Förderfähige Maßnahmen

Die förderfähigen Maßnahmen umfassen nicht nur den Neubau und Ersatzneubau von Kleinkläranlagen, sondern auch deren Aufwertung und die damit verbundenen Beratungs- und Organisationsleistungen. Hier ein Überblick:

  • Neubau und Ersatzneubau: Förderung ist möglich für den Bau oder die Modernisierung von Kleinkläranlagen, die biologische oder fortgeschrittene Behandlungsverfahren verwenden 2.
  • Zusätzliche Maßnahmen: Dazu gehören der Bau von Kanalisationen von der Grundstücksgrenze im öffentlichen Raum für Gruppen-Kleinkläranlagen sowie Beratungsleistungen der kommunalen Abwasserentsorgungsträger 1.

Finanzielle Aspekte der Förderung

Die Höhe der Förderung kann je nach Bundesland variieren, jedoch gibt es allgemeine Richtlinien für die maximalen Förderbeträge:

  • Förderhöhe: Bis zu 60% der förderfähigen Kosten, maximal jedoch 10.000 EUR pro Maßnahme. In einigen Bundesländern kann die Förderung als Zuschuss oder zinsgünstiges Darlehen gewährt werden 12.

Wichtige Hinweise für Antragsteller

Es ist entscheidend, dass Antragsteller sich mit den regionalen Schwerpunkten und den spezifischen Projekttypen, die von den Fördergebern unterstützt werden, vertraut machen. Zudem sollten sie konkrete Beweise für die Auswirkungen des Projekts und die damit verbundenen Veränderungen liefern, um die Chancen auf eine erfolgreiche Förderung zu erhöhen 9.

Antragsprozess für Fördermittel

Schritt-für-Schritt Anleitung zum Antragsverfahren

  1. Vorbereitung der Antragsunterlagen: Laden Sie zuerst das Formular “Antrag auf Gewährung einer Zuwendung des Freistaates Thüringen gem. Richtlinie zur Förderung von Kleinkläranlagen” herunter und füllen Sie es am Computer aus 12. Stellen Sie sicher, dass alle zusätzlichen erforderlichen Dokumente, wie das Beiblatt zum Antrag und Datenschutzinformation der Thüringer Aufbaubank, vollständig und korrekt ausgefüllt sind 12.
  2. Einreichung des Antrags: Der vollständig ausgefüllte Antrag zusammen mit allen erforderlichen Unterlagen wird entweder direkt bei der Thüringer Aufbaubank oder bei der lokalen Abwasserbehörde eingereicht. Für Gruppenkleinkläranlagen ist eine detaillierte Auflistung der angeschlossenen Grundstücke mit einem Lageplan erforderlich 1011.
  3. Bewilligungsverfahren: Nach der Einreichung wird Ihr Antrag von der zuständigen Behörde geprüft. Dieser Prozess kann einige Zeit in Anspruch nehmen, daher ist Geduld gefragt. Es ist empfehlenswert, sich während dieser Phase regelmäßig nach dem Status Ihres Antrags zu erkundigen 11.
  4. Beginn des Projekts: Sobald Ihr Antrag genehmigt wurde, können Sie mit der Umsetzung Ihres Projekts beginnen. Es ist wichtig, dass keine Baumaßnahmen vor der offiziellen Genehmigung beginnen, um die Förderfähigkeit nicht zu gefährden 10.
  5. Nachweis der Verwendung: Nach Abschluss des Projekts ist es erforderlich, einen Abschlussbericht sowie Belege über die getätigten Ausgaben einzureichen. Diese dienen als Nachweis dafür, dass die Mittel zweckentsprechend verwendet wurden 10.

Wichtige Tipps für Antragsteller

  • Professionelle Unterstützung: Es wird empfohlen, für den Antragsprozess ein professionelles Unternehmen zu beauftragen, da diese oft mit den Prozessen vertraut sind und möglicherweise Verbindungen zu den relevanten Behörden haben 11.
  • Vollständigkeit und Genauigkeit: Achten Sie darauf, dass alle Formulare vollständig und genau ausgefüllt sind. Unvollständige oder fehlerhafte Anträge können zu Verzögerungen führen oder sogar abgelehnt werden 12.
  • Fristen beachten: Informieren Sie sich über alle relevanten Fristen und stellen Sie sicher, dass Ihr Antrag rechtzeitig eingereicht wird. Verspätete Anträge können nicht berücksichtigt werden 10.

Finanzielle Unterstützungsoptionen

  • Zuschüsse: Für Neuanlagen können Zuschüsse bis zu 2.500 EUR für ein System mit 4 Einwohnerwerten (EW) plus 250 EUR für jeden weiteren EW gewährt werden. Für Aufrüstungen sind es 1.250 EUR für 4 EW plus 125 EUR für jeden weiteren EW 1011.
  • Darlehen: Als alternative Finanzierungsmöglichkeit kann ein zinsgünstiges Darlehen von bis zu 25.000 EUR mit einer Laufzeit von 6 Jahren und einem Zinssatz von 1,99% p.a. in Anspruch genommen werden 10.

Kontaktinformationen und Ressourcen

  • Ansprechpartner: Für weitere Informationen und Unterstützung können Sie sich direkt an die Thüringer Aufbaubank (TAB) wenden. Die Kontaktdaten finden Sie auf deren offizieller Webseite 1.
  • Online-Ressourcen: Alle Formulare und weiterführende Informationen sind auf der Website der Thüringer Aufbaubank sowie bei lokalen Abwasserbehörden verfügbar 12.

Häufige Fehler vermeiden

Standortplanung und Reinigungsklasse

  1. Regionale Überlegungen: Bei der Planung des Standorts Ihrer Kleinkläranlage ist es wichtig, die Postleitzahl (PLZ) zu berücksichtigen, da diese die Wahl des Systems und den Bewerbungsprozess beeinflussen kann 11.
  2. Wahl der Reinigungsklasse: Beantragen Sie nur die erforderliche Reinigungsklasse und vermeiden Sie es, eine höhere Klasse als notwendig zu beantragen. Eine höhere Klasse kann zu zusätzlichen Wartungs- und Analysekosten führen 11.

Schlussfolgerung

Die effektive Nutzung von Fördermitteln und Zuschüssen für Kleinkläranlagen stellt eine wesentliche Komponente für den Umwelt- und Gewässerschutz in Deutschland dar. Dieser Artikel hat einen tiefgreifenden Einblick gegeben, wie Antragsteller durch sorgfältige Planung und Beachtung der Förderrichtlinien finanzielle Unterstützung für den Aufbau und die Aufrüstung dieser wichtigen Anlagen erhalten können. Insbesondere für Bürger, die in Thüringen und anderen Regionen Deutschlands ansässig sind, unterstreicht der Leitfaden die relevante Notwendigkeit, die vorhandenen Ressourcen sinnvoll und effizient zu nutzen.

Deutschen Antragstellern wird geraten, sich eingehend mit den Fördermöglichkeiten zu befassen und die Antragsverfahren genau zu beachten, um die Chancen auf eine erfolgreiche Förderung zu maximieren. Eine professionelle Beratung kann hierzu wertvolle Dienste leisten. Letztendlich bildet das Engagement jeden Einzelnen, gepaart mit sorgfältiger Planung und Umsetzung, den Grundstein für eine nachhaltige Abwasserbehandlung. Dies wirkt sich nicht nur positiv auf die Umwelt aus, sondern stärkt auch die Infrastruktur ländlicher sowie städtischer Gebiete und fördert eine nachhaltige Entwicklung im Sinne der gesamten Gemeinschaft.

FAQs

Werden finanzielle Zuschüsse für den Bau von Kleinkläranlagen angeboten?

Ja, Kleinkläranlagen mit einer Kapazität von bis zu 50 Einwohnerwerten (EW) und einer Mindestinvestition von 10.000 Euro können eine Förderung von bis zu 2.000 Euro erhalten. In Sachsen wurden beispielsweise seit März 2007 etwa 1.000 Kleinkläranlagen mit insgesamt 1,8 Millionen Euro gefördert.

Ist eine Genehmigung für den Betrieb einer Kleinkläranlage erforderlich?

Ja, die Einleitung von gereinigtem Abwasser aus Kleinkläranlagen muss durch die zuständige untere Wasserbehörde genehmigt werden. Zusätzlich ist häufig die Zustimmung des zuständigen Abwasserverbandes erforderlich, um eine Kleinkläranlage betreiben zu dürfen.

Welche Kosten sind mit dem Einbau einer Kleinkläranlage verbunden?

Die Kosten für eine Kleinkläranlage beginnen bei etwa 6.000 Euro, was in der Regel für Haushalte mit bis zu 5 Personen ausreichend ist. Möchte man eine vorhandene Kleinkläranlage mit einer biologischen Reinigungsstufe nachrüsten, fallen zusätzliche Kosten von etwa 3.000 Euro an.

Wer ist berechtigt, Kleinkläranlagen zu überprüfen?

Die Eigenkontrolle einer Kleinkläranlage kann vom Anlagenbetreiber selbst oder einer von ihm beauftragten sachkundigen Person durchgeführt werden. Für die Wartung der Anlage sind ausschließlich fachkundige Personen zugelassen, die ihre Qualifikation in speziellen Seminaren erwerben können.

Referenzen

[1] – https://www.foerderdatenbank.de/FDB/Content/DE/Foerderprogramm/Land/Thueringen/foerderung-von-kleinklaeranlagen.html
[2] – https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/11563/documents/35778
[3] – https://www.lfu.bayern.de/publikationen/get_pdf.htm?art_nr=lfu_was_00150
[4] – https://de.wikipedia.org/wiki/Kleinkl%C3%A4ranlage
[5] – http://wasser-wissen.de/abwasserlexikon/k/kleinklaeranlagen.htm
[6] – https://www.kreis-lippe.de/kreis-lippe-wAssets/docs/dienstleistungen-media/701_Datei_Publikation_Kleinklaeranlagen.pdf
[7] – https://www.salzburg.gv.at/themen/wasser/abwasser-hauptseite/kleinklaeranlagen
[8] – https://www.muelheim-ruhr.de/cms/kleinklaeranlagen_und_abflusslose_gruben1.html
[9] – https://www.skala-campus.org/artikel/foerdermittel-beantragen-fehler/
[10] – https://www.aufbaubank.de/Foerderprogramme/Kleinklaeranlagen
[11] – https://www.klaeranlagen-vergleich.de/foerderung-kleinklaeranlagen.html
[12] – https://www.zwas.de/foerderantraege_bio.php